Es ist Freitag, der 30igste September und ich bin nun genau einen Monat in Japan. Kaum zu glauben, die Zeit verging so schnell. Andererseits zogen sich die letzten zwei Wochen, in denen ich auf mein Geld gewartet habe schmerzhaft lang hin. Wenn man das immer im Hinterkopf hat, ist es schwer, bestimmte Dinge zu genießen!
An diesem Vormittag hatten wir (Sophia, Nicole und ich) uns vorgenommen unsere Alien Registration Card im Nerima City Office abzuholen. Meine lag da eigentlich schon seit dem 20. fertig rum, aber ich bin einfach nicht dazu gekommen, nach Nerima zu fahren. Natürlich musste mir auf halbem Weg zum Bahnhof einfallen, dass ich meinen Beleg und Pass gar nicht eingepackt hatte, typisch. Dann fuhren wir also die zwei Stationen und fanden den Weg zum City Office auch ohne Probleme wieder. Ich wollte mal wieder ein paar Fotos machen, hatte im 100Yen Shop Batterien gekauft, aber entweder hat meine Kamera Probleme mit japanischen Batterien, oder sie gibt endgültig den Geist auf. Immer wenn ich den Auslöser drücken wollte, stürzte sie quasi ab. Soll heißen, das Bild fror ein, wurde dunkel und nichts ging mehr, obwohl das Objektiv noch ausgefahren war... äußerst ärgerlich!
Ich nutzte die Zeit, um endlich mal wieder Minecraft zu spielen. Zu richtig viel bin ich nicht gekommen, wurde in den ersten zwei Nächten drei Mal in die Luft gesprengt aber schlussendlich habe ich noch ein verlassenes Dorf gefunden, neben dem ich mich niederlassen wollte. Dort soll nun ein großes Haus im japanischen Stil entstehen, Screenshots folgen!
Gegen 16 Uhr sind wir dann zur Welcome Party aufgebrochen und waren pünktlich da (anders als Emily und Floraine, die noch shoppen waren. Tsk tsk!). Zunächst durften wir alle einzeln aufgerufen nach von zur Bühne kommen und dem Präsident der Musashi-Universität die Hand schütteln. Dann standen wir da aufgereiht und hörten uns Reden an, vom Präsident, vom Chef des MISC und von Brian, der ja der Kopf des EAS (East Asian Studies) Programms ist. Die ganze Zeit dachten wir, dass wir uns (wie im letzten Jahr) selbst kurz am Mikro vorstellen mussten aber glücklicherweise war das nicht der Fall! Wäre eh viel zu peinlich geworden... Wir waren also erlöst und durften uns auf die Häppchen und Getränke stürzen. Es gab kleine Sandwiches (ich nahm eins mit Wurst und Käse und eines mit Thunfisch), verschiedene kleine Süßwaren (ich nahm zwei Windbeutel), gebackene Hühnchen-Nuggets (auch davon nahm ich eins) und einiges an Knabberzeug. Währenddessen wurde ich umringt von Japanern, von denen viele Deutsch lernten, und ausgefragt. Es schien fast, als würden die Austauschstudenten systematisch voneinander getrennt und in Trauben von Japanern eingeschlossen, einerseits gut, andererseits etwas beängstigend. Ich hatte dennoch Spaß und lernte viele neue Gesichter und Namen (die ich mir eh nicht merken können würde) und bekam Komplimente für meinen Hair style!
Dann kam plötzlich noch eine Durchsage von der Bühne, von der ich aufgrund der Geräuschkulisse nichts verstand. Aber es machte dann die Runde, dass die jeweiligen Nationalhymnen der vertretenen Länder gespielt werden würden und die Leute von dort, sowie die Japaner, die schonmal dort waren, die Hymne gemeinsam auf der Bühne singen sollten. Das war ja noch peinlicher als eine Kurzvorstellung! Naja, irgendwie haben wir es doch überlebt und dann war die Party auch schon fast wieder vorbei. 18:15 Uhr wurde dann demonstrativ das Licht ausgemacht und alle verließen nach und nach den Raum. Einige der anderen wollten dann noch ins Izakaya, zum Karaoke oder nach Roppongi Feiern, aber Sophia, Nicole und mich zog es heim. Wir hatten alle so unsere Geldsorgen.
Wir machten noch etwas zu Essen und verzogen uns dann wieder nach Oben, wo ich mich an mein Minecraft-Haus machte. Wie mehrmals täglich seit der letzten Woche überprüfte ich meinen Kontostand in der Hoffnung, dass mein Geld von Hallo Pizza und/oder mein Bafög denn mal eingetroffen wäre, aber er war unverändert. Da ich mir so langsam Sorgen machte, schrieb ich eine kurze Email an meine Sachbearbeiterin beim Auslandsbafög. Aber kurz darauf kam mir ein anderer Gedanke und ich überprüfte mein Volksbank-Konto. Oh wunder, das Bafög war eingetroffen!!! Ihr könnt euch meine Erleichterung nicht vorstellen, auch wenn es das falsche Konto war. Endlich Schluss mit Sorgen machen!
ach herje ... Ich glaub da hätte ich mich auch lieber vorgestellt als zu singen .. ich glaub, ich kann nicht mal den ganzen Text *blush
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Aber schön, dass dein Geld endlich da ist!!!
Ich hasse Geldsorgen auch - und dann auch noch in einem fremden Land - das ist echt schlimm ^^;
Ich hoffe, dir gefällt es da immernoch nach nun einem Monat schon :)