Freitag, 2. September 2011

Tag 1: Auf zum Rikko Kaikan!

Halb 6 Uhr morgens wurde ich das erste Mal wach, warum genau weiß ich auch nicht. Ausgeschlafen fühlte ich mich definitiv nicht aber einschlafen konnte ich auch nicht mehr, zu viele Dinge schwirrten in meinem Kopf herum. Darum erstmal Laptop anmachen, Emails schreiben, chatten etc. pp. und das so bis halb 7. Da ich um 11 ausgecheckt sein musste, hatte ich mir den Wecker auf 9:30 Uhr gestellt, aber wie das eben so ist, wenn man die Zeit ausrechnet, die einem noch zum Schlafen bleibt, schläft man nicht mehr ein. Also 9:29 Uhr aufgestanden, duschen, packen und kurz vor 11 ausgecheckt. 
Zum Glück hat man mir erlaubt, mein Gepäck noch eine Weile in einem Raum zwischenzulagern, denn Hide, konnte mich erst gegen 13 Uhr abholen und ich wollte sicher nicht zwei Stunden lang die beiden Koffer durch Ikebukuro zerren. (Hide heißt eigentlich Hideyasu Yanagisawa und war mein Übergangs-"student buddy" weil mein eigentlicher buddy Kanako Yorifuji selbst noch im Ausland war.) So machte ich mich also auf, den Rückweg zum Bahnhof ablaufend nach etwas Essbarem ausschauhalten. Nach 15 Minuten dämmerte mir, dass mir diese Straße sehr unbekannt vorkam. Verdammt, ich hatte mich trotz Karte verlaufen!
Also den Weg zurückverfolgen und zurück zum Ausgangspunkt. Als ich fast wieder am Kimi Ryokan war kam mir eine nette ältere Dame entgegen und sah wohl meinen orientierungslosen Blick. Jedenfalls bot sie mir ihre Hilfe an und ich meinte, ich möchte zum Ikebukuro Bahnhof. Sie sprach zwar bis auf "Sorry, no english" kein Wort Englisch, aber die Verständigung klappte dennoch verhältnismäßig gut. Ich bin zugegeben im Moment noch etwas scheu was das Sprechen angeht und definitiv völlig aus der Übung, aber ich hoffe, das gibt sich schnell.
Ausblick aus dem Fenster im McDonald's
Letztendlich bin ich dann im McDoof gegenüber vom Bahnhofs- ausgang gelandet. Für 460Yen Chicken McNuggets (leider gibt es in Japan keine Süß-Saure Soße :C Aber Barbecue hat auch ganz gut geschmeckt) und eine herrlich kalte Cola, ab in den zweiten Stock und von einem Fensterplatz aus das Treiben vor dem Bahnhof beobachtet. Zwei Sitze neben mir schlief ein junger Japaner mit dem Kopf auf dem Tisch. Ich musste mir also keine besonderen Sorgen darum machen, weggescheucht zu werden wenn 
ich etwas Zeit totschlage.



Die Lounge
Kurz vor 13 Uhr war ich zurück im Kimi Ryokan und konnte es mir bis zu Hide's Ankunft noch in der klimatisierten Lounge bequem machen. Als er dann kurze Zeit später eintraf holten wir meine Koffer und auf ging's zurück zum Bahnhof. Ich war heilfroh, dass Hide den größeren der beiden Koffer zog, auch wenn ich dennoch wieder ziemlich geächzt hab. Er war, genau wie das Personal im Ryokan, doch sehr erstaunt, dass ich beide Koffer allein dorthin bekommen hatte.
Mit dem Zug waren es nur 3 Stationen (170Yen) bis Ekoda, von wo aus wir noch gut 10 Minuten zu Fuß zum Rikko Kaikan stapften. 



Gerade als wir am Vordereingang ankamen, ging ein Platzregen nieder. So  plötzlich wie hier in Japan der Regen anfängt, hab ich das noch nie erlebt. Und diese Schauer enden meist genauso abrupt, wie sie angefangen haben und bringen leider kaum Abkühlung.
Drinnen bekam ich eine kurze Führung durch das Wohnheim, leider hat die Dame ziemlich schnell geredet und ich habe nur das wesentlichste verstanden, aber das reicht ja für den Anfang auch und nächste Woche gibt es ja noch eine ausführlichere  Einweisung.

Während der Führung lernte ich noch einen weiteren Austausch-Studenten kennen: Quentin aus Lyon, Frankreich. Ein netter junger Mann, Hide's eigentlicher "student buddy", der am Vortag schon im Rikko kaikan angekommen und auch früher schon in Japan gewesen war. Dementsprechend gut ist auch sein Japanisch, auch wenn er leider ziemlich leise redet.
Nach Ende der Führung schlug Hide vor, dass wir direkt mal zum Campus der Musashi Universität gehen könnten. Daher zerrte ich in meinem Zimmer nur schnell die notwendigsten Dinge aus meinen Koffern (es sah aus wie Bombe eingeschlagen) und machte mich kurz frisch, denn mein Kopf war leider immer noch hochrot vom Kofferziehen und -schleppen.

 Zusammen sind wir dann los, unterwegs hab ich mir noch eine kühle Dose Calpis gegönnt, ein Getränk, dass ich schon vom Japantag und der Buchmesse in Deutschland kannte. In Japan stehen an jeder zweiten Ecke Automaten, aus denen man gekühlte(!) Getränke bekommen kann. Sehr praktisch, wenn auch etwas teurer als im Laden.
An der Uni angekommen hat uns Hide kurz herumgeführt, wobei ich ziemlich schnell den Überblick verlor. Im "International Studies Center" stellten wir uns kurz vor, trafen noch ein paar koreanische Austausch-Studenten und besprachen Details für die nächste Woche. Danach ging es noch in einen der viiiielen Computer-Räume (sowohl mit Macs als auch PCs bestückt), wo Hide uns eine Liste der Club-Aktivitäten an denen wir teilnehmen können ausdruckte. Während Quentin und ich diese zu lesen versuchten beschäftigte sich Hide mit seinen Hausaufgaben. 
Als wir aus der Uni herauskamen näherte sich schon der Abend und so beschlossen wir, in einem kleinen Restaurant wie es in Japan so viele gibt Gyûdon 牛丼 zu essen. Das ist eine Schüssel mit Reis, gekochten Rind-streifen und etwas Zwiebel mit einer echt leckeren Soße, mir hat es wirklich gut geschmeckt. Gyûdon (Preis ca. 380Yen) kam auf die Liste der Speisen, die ich in Japan wohl noch öfter essen werde (zusammen mit jap. Curry カレー und Ramen ラーメン). Danach wollten die beiden noch zu Mister Donut, einer beliebten Donut-Kette. Da ich aber satt war und auch etwas sparen wollte, hab ich dort nichts bestellt.
 
Klein, aber hat alles was ich brauch :>
Ich weiß nicht mehr genau, wann wir zurück im Wohnheim waren, jedenfalls musste ich erstmal ausgiebig duschen (100Yen für 9 Minuten aber ich muss sagen, die reichen völlig.) und machte mich dann an das Auspacken und Einräumen meiner Sachen. Im Nachhinein hätte ich die Dusche besser auf danach verschoben, denn bei dem Wetter bricht man selbst bei der geringsten Tätigkeit sofort in Schweiß aus. Als ich dann endlich alles halbwegs zu meiner Zufriedenheit eingerichtet hatte wurde es Zeit das Wohnheim-eigene Internet einem Test zu unterziehen. Entgegen meiner Befürchtungen ist dieses tatsächlich angenehm schnell und ohne Einschränkungen nutzbar. Der einzige Nachteil: Das LAN-Kabel vom Router war zu kurz, um es bis zum Schreibtisch zu bekommen, also musste ich es mir mit dem Laptop auf dem Bett bequem machen. So kam auch relativ schnell die Müdigkeit, dennoch hielt ich an diesem Abend noch erstaunlich lang durch. Schlafen war sowieso nicht so einfach, da es immer noch sehr warm und schwül war, aber irgendwie ging es letztendlich doch.

                                                

                Mehr Fotos könnt ihr
             unter diesem Link finden:
            http://imgur.com/a/8XjxF
   







( PS: Blogger hat sich echt extrem zickig, was das Einfügen von Bildern angeht, vor allem wenn man sie nebeneinander setzen will. Hat jemand nen Tip? =/ )



2 Kommentare:

  1. Der Blog is ja toll geworden. Vorallem das Wortspiel is klasse. :D
    Das Zimmer ist echt mega klein, aber was will man auch mehr. Nur vor den eufigen Schrank musst du irgendwas dekoratives hängen. XD Und das Wohnheim von außen sieht ja mal höchst interessant aus.
    Dann hoff ich, du gewöhnst dich irgendwie an das Wetter. Im Wohnheim scheint ja keine Klimaanlage zu sein?
    Aber als kleinen Trost, kann ich dir sagen, dass es hier auch grad scheiße heiß ist. :)

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  2. Ich hätte drei kurze Fragen, die du mir am besten demnächst in Skype beantwortest aber ich möchte die jetzt nicht vergessen (ist immerhin schon 1:15..)
    1. Das scheint alles extrem teuer zu sein, reicht dein Geld Vorrat? Und was wenn der auf einmal zu ende geht?
    2. Wie verständigst du dich denn mit den Japanern (deinem student-buddy zum Bleistift), können die echt nur japanisch?
    3. Was machst du nun das ganze Jahr lang?

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